Das ZDF Space Modul fliegt wieder – ein Flash-Comeback aus dem Jahr 2005

2005 haben wir ein Sonnensystem in den Browser gebracht. Mit simuliertem 3D, echten NASA-Texturen und einem Raumschiff, das zum Entdecken einlud. Damals hießen wir noch POWERFLASHER. Pluto war noch ein Planet. Und Flash konnte vieles – nur noch kein natives 3D. Mehr als 20 Jahre später hebt unser ZDF Space Modul wieder ab. Dank eines Fans aus der Schweiz und eines Open-Source-Projekts.

Manche Projekte lassen einen nicht los. Weil sie technisch eine Herausforderung waren. Weil das Team über sich hinausgewachsen ist. Oder weil Menschen sich noch Jahrzehnte später daran erinnern.

Beim ZDF Space Modul kommt alles zusammen.

Noch immer suchen Menschen nach dieser interaktiven Reise durch unser Sonnensystem. Manche kennen sie aus dem Unterricht, wo sie viele Jahre eingesetzt wurde. Andere erinnern sich an das Cockpit, die Planeten oder die Stimme des Bordcomputers. Für uns war sie ein Meilenstein. Und lange dachten wir, dass sie mit dem Ende des Flash Players endgültig Geschichte geworden sei.

Bis eine Nachricht aus der Schweiz kam und die Pegasus nun wieder endlich fliegt:
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Zurück zum Start: eine Landung auf Titan

Am 14. Januar 2005 erreichte die Huygens-Sonde nach mehr als siebenjähriger Reise die Atmosphäre des Saturnmonds Titan. Pünktlich zu diesem Ereignis ging das ZDF mit einem besonderen Online-Angebot an den Start: Auf heute.de konnten Weltraumfans das Sonnensystem selbst erkunden – nicht nur darüber lesen oder einen Film anschauen. Die damalige Projektbeschreibung erzählt von einem „Entertainment-Informationssystem“, das Wissen und spielerisches Entdecken zusammenbrachte. Projektbeschreibung und Video: „ZDF Space Modul (2005)“

Idee und Konzept kamen von Mark Hugo, der beim ZDF auch die Gesamtverantwortung und Redaktion übernahm. Gestaltung und Realisierung lagen bei uns, der damaligen POWERFLASHER GmbH (heute Interactive Pioneers GmbH). Projekteintrag beim Grimme Online Award

Unser gemeinsames Ziel: das Sonnensystem nicht bloß erklären, sondern eine Reise daraus machen.

Bitte einsteigen: Die Pegasus wartet

Das Raumschiff dieser Reise hieß Pegasus. Sein Cockpit erinnerte eher an Jules Verne und die Nautilus als an ein glattes Science-Fiction-Shuttle. Der Einstieg begann im Erdorbit. Von dort aus konnten die Besucherinnen und Besucher per Pfeiltasten selbst durchs All navigieren oder den Autopiloten einschalten und gezielt einen Himmelskörper ansteuern. Am Ziel übernahm die Stimme des Bordcomputers die Einführung. Einblicke in Gestaltung und Bedienung

Die Instrumente zeigten unter anderem die Geschwindigkeit und die Richtung zur Sonne an. Himmelskörper ließen sich mit gedrückter Maustaste umkreisen. Bei Saturn wartete ein 3D-Modell der Cassini-Huygens-Sonde. Dazu kamen inszenierte Ereignisse wie Kometenkollisionen und Sonneneruptionen, die unsere 3D-Unit mit Alias Maya gestaltet hatte. Die ursprüngliche Projektbeschreibung

Wer tiefer einsteigen wollte, öffnete das Informationssystem. Dort gab es Kurzreportagen, Animationen und umfangreiches Bildmaterial. Man findet spielerisch 17 Videos und 37 Bildergalerien, die Fragen beantworteten wie: Wie oft passt die Erde in den Jupiter? Oder: Wie ist der Mond entstanden? „Reise durch das Sonnensystem“ im Grimme-Archiv

Spiele und Missionen machten aus dem Wissensangebot ein Infotainment-Universum. Man konnte sich informieren. Man konnte aber auch einfach losfliegen und neugierig sein.

3D simulieren, bevor Flash es nativ konnte

Heute wirkt eine räumliche Anwendung im Browser selbstverständlich. 2005 mussten wir uns die Möglichkeiten dafür selbst schaffen.

Das gesamte Space Modul entstand in Flash – damals noch Macromedia Flash, später Adobe Flash. Die zeitgenössische Projektmeldung betonte den Anspruch, das Sonnensystem mit realen Positionen, Entfernungen, Größen und Texturen erfahrbar zu machen. Unsere Meldung zum animago AWARD 2005

Dafür nutzten wir echte NASA-Texturen und simulierten die räumliche Darstellung, lange bevor uns native 3D-Funktionen in Flash zur Verfügung standen. Die technische Herausforderung war allerdings nur die eine Hälfte der Aufgabe. Die andere: Aus astronomischen Daten eine verständliche, atmosphärische und gut bedienbare Anwendung zu machen.

Denn reale Distanzen allein erklären noch kein Sonnensystem. Erst die Navigation, die Bilder, die Stimme und das eigene Entdecken machten daraus ein Erlebnis.

Ausgezeichnet – und im Unterricht angekommen

Das Projekt fand auch über die eigentliche Nutzung hinaus Aufmerksamkeit. Beim animago AWARD 2005 belegte die SpaceSimulation den ersten Platz in der Kategorie Professional/Interactive/Infotainment. Bereits im Januar hatte multimedia.de sie als „Beste Webproduktion“ ausgezeichnet; im Februar folgte der Titel „Featured Site“ beim Internet TINY Award. Die damalige Award-Meldung

Hinzu kam die Nominierung für den Grimme Online Award 2005, der das Angebot unter dem Titel „Reise durch das Sonnensystem“ in seinem Archiv führt. Grimme Online Award: Nominierte 2005

Darauf sind wir bis heute stolz. Mindestens genauso viel bedeutet uns aber, dass das Space Modul über viele Jahre im Unterricht genutzt wurde. Eine Anwendung zu entwickeln ist das eine. Zu erfahren, dass sie Menschen beim Lernen begleitet hat und ihnen im Gedächtnis geblieben ist, etwas anderes.

Auch wenn das damalige Sonnensystem inzwischen ein historisches Detail enthält: Pluto durfte bei uns noch als neunter Planet mitfliegen.

Dann ging der Flash Player aus

Ende 2020 stellte Adobe die Unterstützung für den Flash Player ein. Ab dem 12. Januar 2021 blockierte der Player die Ausführung von Flash-Inhalten. Damit fehlte Anwendungen wie unserem Space Modul ihre bisherige Laufzeitumgebung im Browser. Adobe zum Ende des Flash Players

Die Dateien waren noch da. Die Erinnerungen auch. Aber für uns fühlte es sich an, als wäre die Pegasus endgültig im Hangar gelandet.

Projekt tot, dachten wir.

Eine Nachricht aus der Schweiz bringt die Pegasus zurück

Dann meldete sich Manuel Winkler, ein Fan des Projekts aus der Schweiz, bei uns und unserem damaligen ZDF-Ansprechpartner Mark Hugo.

Manuel beschäftigte sich mit Ruffle, einem Open-Source-Flash-Emulator. Das Projekt macht Flash-Inhalte auf modernen Betriebssystemen und in Browsern wieder ausführbar, ohne dafür den ursprünglichen Flash Player zu benötigen. Mehr über Ruffle

Wir gaben Manuel die kompilierten Dateien des Space Moduls. Er testete sie mit Ruffle.

Und es läuft wieder.

Für uns ist das ein richtig nostalgischer Moment: Ein Projekt, in dem so viel Arbeit, Experimentierfreude und Herzblut steckt, lässt sich wieder erleben. Die Grundlage dafür sind die ursprünglichen Dateien von damals.

Danke für die Begeisterung. Und für das Vertrauen.

Lieber Manuel, ein riesiges Dankeschön an dich! Du hast dich als Fan bei uns gemeldet, die ursprünglichen Dateien mit Ruffle getestet und damit den Anstoß gegeben, die Pegasus wieder abheben zu lassen. Dass jemand nach so vielen Jahren nicht nur an unser Projekt denkt, sondern sich dafür einsetzt, es wieder erlebbar zu machen, berührt uns sehr.

Ein ebenso herzliches Dankeschön geht an unseren damaligen Kunden ZDF und ganz persönlich an Mark Hugo – für euer Vertrauen in uns und in dieses ambitionierte Projekt. Gemeinsam durften wir 2005 neue Wege gehen und zeigen, wie spannend interaktive Wissensvermittlung sein kann. Dass dieses Vertrauen nach über 20 Jahren noch Wirkung zeigt, Menschen sich an das Space Modul erinnern und es erneut entdecken wollen, bedeutet uns unglaublich viel.

Und danke an die Menschen hinter Ruffle. Eure Open-Source-Arbeit hilft dabei, ein Stück interaktiver Webgeschichte nicht nur als Screenshot oder Erinnerung zu bewahren, sondern wieder nutzbar zu machen.

Jetzt selbst einsteigen und losfliegen

Ob ihr das Space Modul von früher kennt oder zum ersten Mal an Bord geht: Die Pegasus wartet wieder auf euch. Steigt ins Cockpit und entdeckt unser Sonnensystem aus dem Jahr 2005 – inklusive Pluto als neuntem Planeten.

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So sah unsere Reise durch das Sonnensystem aus

Das Video gibt einen Einblick in das ZDF Space Modul von 2005 – vom Retro-Cockpit bis zur Erkundung des Sonnensystems.

Video auf Vimeo ansehen: ZDF Space Modul (2005)

Mehr als Nostalgie

Dass sich Menschen nach so langer Zeit noch an das Space Modul erinnern und nach ihm suchen, ist für uns das schönste Kompliment. Es zeigt, wie viel eine gut erzählte, interaktive Erfahrung bewirken kann.

2005 wollten wir Menschen für das Sonnensystem begeistern. Dafür haben wir die technischen Möglichkeiten ausgereizt und dort weitergebaut, wo die Plattform noch keine fertige Lösung bot.

Heute heißen wir Interactive Pioneers. Die Freude daran, solche Grenzen zu verschieben, ist geblieben.

Die Pegasus fliegt wieder. Und wir freuen uns wie beim ersten Start.