Google Wave: Impressionen

Natürlich ist Google Wave auch bei uns unter den Arbeitskollegen ein Thema. Bereits nach der ersten Ankündigung gab es hier im Blog ja eine Meldung darüber. Doch wie fühlt sich Google Wave nun an? Nicht vergessen, diese subjektive Meinung wird von jemanden veröffentlicht, der als einer der wenigen Zugriff auf einen Wave-Account hat.
Ich bekam die Einladung zu Google Wave im Gegenzug zu meiner Teilnahme am Developer-Programm. Ich war quasi von Anfang an dabei als es im Juli 2009 los ging. Damals war der erste Eindruck nüchtern. Zu unübersichtlich. Zu langsam. Zu hakelig. Die Frage nach dem Warum und Weshalb. Google Wave sollte die Kommunikation revolutionieren. Betrachtet man dies global, so kann ich bisher nur den Kopf schütteln.
Nach der Developer-Preview startete dann die Preview-Phase der normalen Wave: 100.000 Menschen wurden eingeladen, die jeweils acht Einladungen für Freunde bekamen. Auch dieses Mal war der Run mehr als groß, bei eBay wurden die Einladungen meistbietend verkauft. Ich weiß nicht woran es lag, vielleicht war Google das Feedback zu gering: nach den acht Einladungen bekam ich (und viele andere auch) noch 30 weitere.
Auch ich freute mich auf Wave, in der Hoffnung etwas besseres als bisher geboten zu bekommen. Hurtig wurde also der vorhandene Google Mail-Account mit der Wave verknüpft. Das ist nämlich Pflicht. Google Mail-Account anlegen oder sterben. Dann war ich mittendrin im Geschehen. Mit einer eigenen Adresse @googlewave.com. Nachteil: man kann von normalen Accounts nicht in die Welle mailen und damit das auch sinnvoll ist: man kann nicht heraus mailen.
Google Wave ist in der Testphase ein in sich geschlossenes Ökosystem. Macht aber nichts: via Twitter ließen sich Testwillige aufspüren, zudem gab es die Teilnahme an öffentlichen Wellen.
Nach den ersten Tests und meinem jetzigen Wissensstand muss ich sagen: ich kann mir nicht vorstellen, dass Wave unsere Kommunikation verändern wird.
Aber mal der Reihe nach. Die Kommunikation wird in so genannten Waves geführt. In diese kann jeder der Teilnehmer weitere Nutzer einladen. Man kann schnell reagieren. Das Gegenüber bekommt quasi live den Verlauf mit. Inklusive Fehler beim Tippen. Selbstverständlich sind innerhalb einer Wave auch diskrete Kommunikationen zwischen einzelnen Mitgliedern möglich.
In großen Wellen ist es sehr, sehr unübersichtlich: von einer nachvollziehbaren Kommunikation kann man also leider nicht reden. Kleiner Tipp für Benutzer von Mac OS X: benutzt den Client Waveboard.
Klar, Wave ist Open Source und jeder kann sich einen Server aufsetzen – intern kann eine Konversation in Echtzeit schon einen Sinn ergeben. Ich füge Mitarbeiter in meine Wave und kann gleich sehen, ob und wie diese antworten. Man muss also nicht mehr diesen Rattenschwanz an E-Mail hin und her schicken. Aber ist so etwas revolutionär? Ich habe den Hype mitbekommen, den Andrang auf eine Einladung zu Google Wave. Doch beobachte ich meine mittlerweile sehr volle Kontaktliste und einige öffentliche Waves, so muss ich sagen: viel ist das noch nicht.
Die Frage, die ich mir stelle: sehe ich das Ganze zu pessimistisch? Mich würde eure Meinung interessieren.

